Detlev Henschel
Namibia Off The Road
Offroad-Geschichten und eine Trekking-Expedition auf den Brandberg
((ISBN 978-3-8442-0306-7)
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Drei Wochen zuvor hatten wir jagende Löwen in etwa ein bis zwei Kilometer Entfernung ums Lager schleichen gehört. Ein gruseliges Ambiente, denn die Löwen verständigen sich untereinander durch kurzes oder langes grollendes Brüllen, während sie ihr Abendessen in die Enge treiben. Zumeist endet dieses Geräusch dann recht abrupt mit einem markerschütternden Todesschrei des ›Menühauptgangs‹.
Bei prasselndem Feuer, jeder Menge Braai und einer wachsenden Menge Gin-Tonite ein schauriges Erlebnis, da damals noch in kleinen Zwei-Mann-Zelten auf dem Boden genächtigt wurde. Später kamen noch die irrsinnig ›lachenden‹ Hyänen dazu. Es wurde eine wahre Symphonie – oder Orgie, je nachdem.
Unser Abend verlief sehr ruhig, ausnahmsweise ohne unser ständiges Lachen. Eigentlich geradezu erschreckend ruhig. Es war so ruhig, dass man die Stille wie einen rauschenden Wasserfall in den Ohren hören konnte. Matthes und ich fühlten diese unheimliche Ruhe und tauschten bedeutungsvolle Blicke aus. Beunruhigen wollten wir unsere Gäste nicht, denn wie alle Gäste sind sie selbstverständlich 100%ig überzeugte Antialkoholiker und Vegetarier, die nie im Leben nicht Alkohol trinken und schon gar nicht Gin. Dabei dezimierten sie gerade unsere Vorräte in erschreckender Weise ...
Nachdem das Feuer heruntergebrannt war und die beiden in den Zelten verschwunden waren, genehmigten Matthes und ich uns noch unseren Absacker, da wir sonst nie ungestört waren und uns nur in dieser kurzen Zeit bei einer Totenstille leise raunend unterhalten, konnten. Matthes schlief wie immer ohne Zelt im Südwesterschlafsack als ganz harter Mann auf dem felsigen, steinigen Wüstenboden. Wir vermuteten Hyänen oder Löwen in der Nähe, doch Matthes wollte trotzdem draußen pennen. Vorsichtshalber bauten wir noch ein zusätzliches Zelt auf, in das er flüchten könnte … für alle Fälle.
Mir war das damals wie heute alles zu unheimlich – ich hatte Schiss –, deshalb schlief ich auf dem Dachgepäckträger unseres Landis. Mein immer noch mieses Gefühl besänftigte ich mit Schmitt .38, meinem besten Freund, unter dem Kopfkissen. Johnny Walker lag in der Kühlbox und war erst zwölf, also noch minder-jährig. Das Kreuz des Südens als Letztes im Auge, döste ich weg. Irgendwann nachts erwachte ich, weil … es einfach zu still war.
Durch dies Erwachen wurde leider auch mein Kreislauf in Gang gesetzt, und ich musste pinkeln. Vom Landidach zu pinkeln, hatte mir schon oft Beschwerden eingebracht, da durch das Plätschern die Leute wach wurden. Eigentlich wollte ich ja auch runter vom Dach, aber es war einfach zu unheimlich. Irgendetwas war hier oberfaul, und wie Fräulein Smilla ein besonderes Gespür für Schnee hatte, besaß ich schon immer ein solches für ›Kak‹.
Erinnerungen von Mambas, die unter dem kuschelig warm abstrahlenden Motor des Landis lagen und mit geifernden Kiefern nächtliche Pinkler in die Fesseln bissen, schossen mir durch das Hirn. Die Angst wurde größer, und der Druck exponentiell stärker. Alle schliefen, zumindest hörte ich die ruhigen Atemzüge. Nun gut.
Die Beine vom Dach runterbaumeln lassend, schlug ich das Bier trotz meiner Bedenken vom Wagendach ab. Seufzend legte ich mich danach wieder zurück: Der Druck war weg, das bedrückende Gefühl blieb. Mit mittlerweile fahrigen Händen tastete ich nach meinem Freund Schmitt. Der war da. Gut.
Ich kuschelte mich in meinen Schlafsack, und versuchte Sternchen zu zählen. Etwa zwei Minuten später, ich war gerade wieder am Wegdösen, brüllte genau dort, wo ich meine Duftmarke hinterlassen hatte, ein Löwe; maximal drei Meter von mir entfernt.
Dieses Gebrüll – vergleichbar mit dem eines Tyrannosaurus aus Steven Spielbergs ›Jurassic Park‹ – in dieser absoluten Stille der Wüste ließ meine Eier auf die Größe einer Erbse schrumpfen, als ich nach Schmitt griff.«
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